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Infomationen über die Verdauung und die Ernährung von Pferden

Verdauungs- und Fütterungsinformationen über Pferde (klick hier!)

Wenn sie dürfen, fressen sie 16 Stunden am Tag, aber immer nur kleinste Mengen. Selbst früher, als sie für viele Stunde eingespannt waren und arbeiten mussten, fanden sie an den Wegrändern immer etwas zu fressen. Damals wurde noch kein „Unkraut“ totgespritzt, und Pausen gab es immer wieder. In vielen Ställen heute gibt es Mahlzeiten, wie für uns Menschen. Und weil viele von sich auf die Pferde schließen, halten sie das auch für richtig. Es ist aber für Pferde eine Katastrophe. Mal ist der Magen übervoll, mal ist er leer. Das sind Ursachen für Geschwüre. Auch viele Gas- und Verstopfungskoliken dürften hier ihren Ursprung haben. Wer heute kein Futter im Dauerangebot garantieren kann, sollte Heu in Netzen anbieten, dann haben die Pferde stundenlang zu tun. Heunetze haben gegenüber einem Haufen Heu noch einen weiteren Vorteil. Pferde fressen normalerweise langsam, wenn sie aber als Fohlen in Futterkonkurrenz aufgewachsen sind oder zu eng beieinander stehen und das Angebot mickrig ist, sie also ständig ihr Futter verteidigen müssen, entwickeln sie Gier und Neid. Sie fangen an zu schlingen und kauen nicht genug, eine weitere Ursache für Koliken. Für solche Pferde sind engmaschige Netze nötig.

 

Der lange Weg der Nahrung (klick hier!)

30 Meter Darm – das ist ein Zufall – der hat sich über Millionen Jahre entwickelt. Mindestens hundert Billionen Darmbakterien, wahrscheinlich noch weitaus mehr, und einige hundert Bakterienarten leben im Darm und auf der Darmschleimhaut, vor allem in den Gärkammern Dickdarm und Blinddarm, also mindestens zehnmal soviel, wie das Pferd eigene Zellen hat. Man muss die Darmflora als ein assoziiertes Organ ansehen, das sich aber eigenständig vermehrt, und ohne das kein Pferd überleben könnte. Diese Bakterien erfüllen viele Aufgaben, vor allem schließen sie schwerverdauliche Stoffe auf, wie Zellulosen und Hemizellulosen, auch Pektine, woraus sie die Energie gewinnen. Auf diese Art der Energiegewinnung sind Pferde und ihre Bakterienhelfer spezialisiert. Auf Getreide, also Stärkelieferanten, sind sie überhaupt nicht eingestellt. Pferde brauchen und wollen keine Erleichterung bei der Verdauung. Ganz im Gegenteil! Wer glaubt, ihnen mit Getreide, vielleicht sogar noch mit thermisch aufgeschlossenem, wie z. B. Brot oder Extrudaten, das Leben zu erleichtern, nimmt dem Darm die Arbeit und macht das Pferd krank. Man müsste so gefütterten Pferden eigentlich 10 oder 15 Meter Darm entfernen, denn die sind jetzt überflüssig. Eine evolutinäre Anpassung an diese „hochwertige“ Fütterung wird es jedenfalls in wenigen Jahren ganz sicher nicht geben. Dafür wären zig- oder hunderttausende Jahre erforderlich. Vergessen Sie also die Rinden nicht. Die belasten den Darm im positiven Sinne. Was passiert, wenn’s dem Darm schlecht geht? Der Blinddarm warnt rechtzeitig. Wurde die Anzahl der Zellulose verdauenden Bakterien reduziert, was bei viel Stärke im Futter, vor allem aber hohen Fruktangehalten passiert, können die Raufutter nicht mehr oder nur schlecht verdaut werden. Es kommt zu Fäulnisprozessen, zu Blähungen, Verstopfung und Koliken. Typisch ist auch der Blähbauch. Die Signale des Blinddarms sind deutlich, jeder Reiter kann sie ahrnehmen. Pferde mit Blinddarmproblem wollen sich nicht nach rechts biegen und brechen lieber mit der Hinterhand nach hinten links aus. Wenn Sie Ihr Pferd putzen und dabei einen Druck auf den Blinddarm ausüben, also hinten rechts hinter den Rippen, weicht es nach links aus.
Tun Sie dasselbe links, verlagert es nur das Gewicht. Warum? Es tut ihm weh. Wir haben das hundertfach bestätigt bekommen. Wiederkäuer verdauen anders: Die haben ihre Gärkammer vorne im Pansen, also genau anders herum. Pferdehalter müssen den Unterschied unbedingt
wissen und verstanden haben, erst dann begreifen sie, weshalb man Pferde niemals ernähren darf wie Kühe. Aber genau das passiert ständig in fast jedem Stall. Viele Landwirte unterscheiden nicht. Sie haben es auch nicht anders gelernt. Am Kot, der immer dünner wird und nicht mehr nach Äpfeln aussieht, sondern den Fladen der Kühe ähnelt, am sauren Gestank, am Kotwasser und Koliken

 

Das Pferdemaul als Verdauungsorgan (klick hier)

Pferde sollten möglichst häufig kleine Mengen fressen, und sie müssen kauen, kauen, kauen, damit viel Speichel produziert wird. 40 Liter täglich und noch weit mehr. Der Speichel enthält viel Bikarbonat, ist deshalb basisch. Man hat die Kaubewegungen gezählt: 80 Kaubewegungen pro Minute sind es bei Raufutter, also u. a. für Heu. Das Pferd braucht, um 1 kg Heu zu kauen, ungefähr 40 bis 50 Minuten. Dabei produzieren die Speicheldrüsen etwa 4 Liter Speichel. Für 1 kg Hafer aus einem Futtertrog braucht ein Pferd nur etwa 8 bis 15 Minuten und produziert dabei nur 1 l Speichel. Hafer und andere Getreide werden meist geschlungen, viel fällt links und rechts aus dem Maul heraus. Sinkt die Anzahl der Kaubewegungen, reduziert sich auch die Menge an Speichel. Das kann leicht 10 l pro Tag ausmachen. Wenn man den Hafer auch noch schrotet, schadet man seinem Pferd gerade dadurch, dass man es ihm leichter machen möchte. So gerät der Säure-Basenhaushalt und damit die gesamte Verdauung durcheinander. Wenn schon Getreide, dann am besten über einen sauberen Boden gestreut, damit die Pferde Korn für Korn mühsam aufsammeln müssen, oder aber Kiesel in den Trog und die zum Futter gemischt, damit sie sortieren müssen. Keine Sorge, sie fressen die Kiesel ganz sicher nicht. Beim Magen des Pferdes muss man zwei Bereiche unterscheiden. Im vorderen Teil liegt der pH-Wert bei etwa 5,5. Es ist also nicht sehr sauer. Das liegt am Speichel, der kaum Verdauungsenzyme enthält, dafür aber hohe Gehalte an Mineralstoffen und Bikarbonat. Im hinteren Teil liegt er bei etwa 2,5, ist also sehr sauer, denn hier sollen hygienische Bedingungen geschaffen werden. Bakterien
werden getötet. Gelingt das nicht und gelangen die in den Zwölffingerdarm, werden die Bakterien gefährlich, denn hier wird’s basisch, ideal für Bakterien. Der Magen der Pferde ist klein, er fasst nur etwa 18 bis 20 Liter, und dann ist er schon richtig voll. Mehr muss es bei richtiger Fütterung auch nicht sein, denn vom Maul her sollten immer nur kleine Mengen ankommen, die dann in demselben Tempo in den 1 Meter langen Zwöffingerdarm entlassen werden.

Fassungsvermögen der Verdauungsorgane eines Pferdes:

1. Magen: ca. 18 Liter

2. Dünndarm: ca. 65 Liter

3. Dickdarm: ca. 100 Liter

4. Blinddarm: ca. 35 Liter Speichelproduktion: täglich mindestens 40 l pH-Werte, also Säuregrad:

• Magen vorne etwa 5,5

• Magen hinten bis 2,5

• Zwölffingerdarm und Dünndarm ca. 7,5 (basisch)

• Blinddarm und Dickdarm 7,1 bis 7,3 (basisch)

• Kot etwa 7

Interessieren Sie ein paar Zahlen?
Die Nahrung braucht von der Aufnahme bis zur restlosen Ausscheidung etwa 3,5 Tage.

Gallenflüssigkeit: Ein 500 kg schweres Pferd produziert täglich 10 Liter. Schleimhautoberfläche des Darms: 400 m2. Auf molekularer Ebene gemessen: 1000 m2 Wird zu schnell gefressen, überdehnt sich der Magen und die Vorverdauung wird gestört. Im vorderen Magenteil verdauen
Milchsäurebakterien Zucker und Stärke, und davon ist in den heutigen Futtern ja jede Menge enthalten. Besonders dankbar sind die Bakterien für Zuckerrübenmelasse. Es entsteht u. a. Milchsäure, und je mehr Zucker umso mehr, was zu Reizungen der Schleimhaut führt. Heute, so wird behauptet, leidet bereits jedes 2. Pferd an Schleimhautentzündungen des Magens oder an Magengeschwüren. Bei Rennpferden dürften es, wegen der Stressbelastung, fast alle sein. Hier greift also eins ins andere.

Gesunde Wiesen – gesunde Pferde / Kranke Wiesen – kranke Pferde (klick hier!)

Wiesen sind Lebensgemeinschaften, deren Pflanzen sich mit den Bodenbedingungen, dem Klima und durch gegenseitige Beeinflussung entwickeln und verändern. Und sie verändern sich auch durch die Nutzung, z. B., weil Pferde selektiv fressen, manche Pflanzen abweiden und andere stehen lassen. Auch mögen sich manche Pflanzenarten nicht untereinander. Pflanzen sind wehrhaft, eine Art kann eine andere verdrängen. Sie geben über die Wurzeln oder Blätter Stoffe ab, sogenannte Phytonzide, die andere nicht ertragen können und schaffen sich damit Freiräume.
Greifen wir Menschen mit Herbiziden ein oder pflügen wir gar um und säen artenarme Mischungen,kann von einer gesunden Wiese keine Rede mehr sein. Und den Pferden bleibt nichts anderes übrig als zu fressen, was wächst. Je weniger Arten auf einer Wiese, umso ärmer ist das
Futter an Vitalstoffen, zu denen viele Stoffgruppen gehören, wie ätherische Öle, die wichtig sind für die Schleimhäute und als natürliche Antibiotika wirken. Oder Bitterstoffe für die Verdauung oder Antioxidanzien, die den oxidativen Stress reduzieren und damit vor allem Entzündungen
abklingen lassen und viele andere Stoffe mehr. Von den meisten kennen wir die lebenserhaltenden oder fördernden und heilenden Wirkungen gar nicht oder haben sie längst vergessen, weil heute fast nur noch die Chemie zählt. Gesunde Ernährung bedeutet Vielfalt, aber natürliche
Vielfalt, nicht Abfallverwertung. Natürlich ist es verführerisch, alle möglichen Reststoffe aus der Lebensmittelindustrie ins Pferdefutter zu packen. Der eine oder andere Abfall ist ja auch geeignet, aber Pferde dürfen nicht zu Resteverwertern werden, dafür sind Schweine und
Hühner, beide Allesfresser, viel besser geeignet.

Kotwasser und Durchfall (klick hier!)

Man kennt die Auslöser: Hohe Zuckergehalte, also Fruktane, in Gräsern – ein Problem vor allem im Herbst und Frühling, aber auch zu viel Eiweiß und – meist unerkannter – Schimmelbefall. Was können Sie tun? Ihre Pferde müssen mit dem auskommen, was man ihnen vorsetzt. Sicher ist es am besten, wenn Heu und Stroh von erstklassiger Qualität sind, aber das bestimmen die meisten nicht selbst. Auch die Getreide könnten verschimmelt sein, ohne dass Sie das erkennen können. Schimmel, auch als Endophyten in Gräsern, ist heute ein großes Problem. Und doch können Sie einiges tun, um die Verdauung zu optimieren, die Verdauungsdrüsen anzuregen, die Darmschleimhaut zu schützen, die poröse Darmschleimhaut abzudichten und so die Probleme zu vermeiden. Wir haben das hundertfach bewiesen. Fruktane sind eine Speicherform von
Zucker Fruktane sind ein wichtiger Bestandteil des Futters, aber dann nicht mehr, wenn davon zuviel enthalten ist. Fruktane werden von Gräsern gebildet als Schutz vor Trockenheit und Frost. Sie sind eine Speicherform der Zucker und bestehen aus einem Saccharosemolekül sowie
einem oder mehreren Fruktosemolekülen. Für Kühe ist ein hoher Anteil an Zuckern, vor allem an Fruktanen, und auch Eiweißen in Gräsern, von Vorteil. Zumindest wenn es um die Milchproduktion geht.
Einerseits brauchen sie dafür viel Eiweiß und für die Herstellung viel Energie, also Zucker und den auch für die Produktion der Milchfette. Ihr vierkammriger Magen, vor allem ihr Pansen mit Billionen Bakterien, hilft ihnen, mit so einem Futter einigermaßen gut fertig zu werden, obwohl man die Kuhhaltung heute als Tierquälerei bezeichnen muss. Aber was machen die
Pferde mit den Fruktanen. Nur wenig davon kann im vorderen Magenteil von Milchsäurebakterien gespalten werden, die Bauchspeicheldrüse trägt überhaupt nichts zur Verdauung dieser Zucker bei, und deshalb gelangt der größte Teil der Fruktane in den hinteren Dickdarm und den Blinddarm. Und da wird es nun gefährlich. Fruktane bezeichnet man auch als Probiotika, weil sie die Vermehrung der hochgelobten Milchsäurebakterien fördern, die daraus Milch- und Fettsäuren produzieren. Klingt gut und in geringen Mengen stimmt das auch. Eine große Anzahl dieser Bakterien aber, und darum geht es jetzt, werden für Pferde lebensgefährlich. Der pH-Wert, also der Säure- Basen-Wert, der normalerweise bei etwa 6,8 bis 7 liegt, also leicht sauer bis neutral, sinkt rapide ab bis auf 5 und 4 oder noch tiefer. Der Kot stinkt nun widerwärtig sauer. Die gesunden Darmbakterien überleben in diesem Milieu nicht, sterben in großer Anzahl ab und zerfallen. Ihre Zelltrümmer sind gefährlich giftig, sie gelangen ins Blut und damit in die Peripherie, wo sie vor allem die Haargefäße schädigen und verstopfen und in den Hufen zu Laminitis
und Reheschüben führen. Eine weitere Folge ist das Kotwasser, denn durch die Versauerung wird die Darmschleimhaut perforiert, sie lässt Wasser aus dem Körper austreten. Gleichzeitig öffnen diese „Löcher“ Darmbakterien den Zutritt ins Gewebe, wo sie nichts zu suchen haben.
Diese armen Pferde suchen nach gerbstoffhaltigen Pflanzen, um die Darmschleimhaut abzudichten. Das sind beispielsweise die Blätter oder Früchte der Walnuss, auch Eichenblätter, Eichenrinde und Eicheln. Und wenn dann die Eigentherapie der Pferde zu spät kommt und doch eine
Rehe auftritt, werden diese hilfreichen Pflanzen dafür verantwortlich gemacht. Ein Trugschluss. Wir raten Ihnen: Füttern Sie zu den Kräutern im Herbst Eicheln, täglich zweimal eine kleine Handvoll, nur schimmlig dürfen sie nicht sein. Bieten Sie auch kleine Äste von Eichen an, auch
von der Walnuss die abgefallenen Blätter und Früchte. Im Frühling nehmen Sie die frisch ausgeschlagenen Ästchen. Wenn Ihr Pferd es könnte und dürfte, holte es sich das alles selbst. Von Giftigkeit kann keine Rede sein, solange nicht übertrieben wird. So ist das mit allen Heilpflanzen. Und ganz sicher ist keine Blausäure enthalten: Wer hat diesen Unsinn nur in die Welt gesetzt?! Pilze sind Profiteure der Versauerung Der pH-Wert im Dickdarm liegt bei einem gesunden Pferd etwas über 7, hier ist es also basisch. In diesem Milieu fühlen Pilze sich nicht wohl. Ganz anders, wenn es sauer wird. Und genau das geschieht ja, wenn Stärke und Fruktane in den hinteren Verdauungstrakt gelangen und dort von Milchsäurebakterien verdaut werden. Es entwickeln sich ideale Bedingungen für Pilze, die sich am Verzehr von unverdauter Stärke und Fruktanen
beteiligen und sich schnell ausbreiten können. Milchsäurebildende Bakterien und Pilze können sich gegenseitig hochschaukeln.

Texte mit freundlicher Genehmigung von K.-R. Töllner / Biologe -> www.heunetz.de ist erfolgreicher und langjähriger Großhändler von Pferdekräutern!